Hitzeschäden & Sonnenbrand an Pflanzen richtig erkennen
- Yvonne Pfeiffer, deine Gärtnermeisterin
- zuletzt aktualisiert: 13/10/2026
Das Wichtigste in Kürze
- Trockenschäden entstehen, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als die Wurzeln nachliefern können. Sonnenbrand, Trockenstress und Hitzestress lassen sich unterscheiden, ein einfacher Rindentest zeigt in wenigen Minuten, ob eine Pflanze noch lebt.
- Die Regeneration hängt stark von der Pflanzenart ab. Laubgehölze und Stauden treiben nach einem Rückschnitt meist wieder aus, Nadelgehölze wie Thuja zeigen Schäden dagegen oft erst zeitverzögert und treiben aus braunem Holz nicht mehr nach.
- Das Rhein-Main-Gebiet zählt mit sandigen Böden in Mainebene und Hessischem Ried sowie neuen Hitzerekorden zu den besonders betroffenen Regionen. Mulchen und eine standortgerechte Pflanzenauswahl reduzieren Trockenschäden nachweislich, eine Mulchschicht spart rund ein Drittel der Verdunstung.
Neuigkeiten
Der Deutsche Wetterdienst bestätigte Anfang August 2026 offiziell eine sich weiter verschärfende Trockenheit in Deutschland. Bereits das Frühjahr sei „außergewöhnlich sonnig und deutlich zu trocken“ gewesen, seither habe sich die Lage vor allem im Westen und Südwesten zugespitzt. DWD, 06.08.2026
Der UFZ-Dürremonitor zeigte Mitte August 2026 für Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz extreme Dürre im Gesamtboden bis 1,8 m Tiefe, statistisch ein Ereignis, das nur alle 30 Jahre auftritt. Teile Hessens galten zu diesem Zeitpunkt als schwer betroffen. Datenbasis UFZ, über digitaldaily.de, 12.08.2026
Laut aktuellem Waldzustandsbericht gilt nur noch etwa jeder fünfte Baum in deutschen Wäldern als gesund. Allein in Wuppertal mussten 2026 bereits rund 1.000 vertrocknete Stadtbäume gefällt werden. ZDFheute, 05.08.2026
Die Hessische Gartenakademie rät angesichts der anhaltenden Hitze zu selteneren, dafür durchdringenden Wassergaben von 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter am frühen Morgen, idealerweise mit gesammeltem Regenwasser. wetter.com, dpa
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Wenn Blätter plötzlich helle Flecken bekommen, Thuja und andere Koniferen braun werden oder Stauden nach heißen Tagen schlapp herunterhängen, ist die Sorge schnell groß: Ist die Pflanze noch zu retten? Oder ist sie schon vertrocknet?
Die gute Nachricht ist, dass nicht jeder Hitzeschaden gleich das Ende deiner Pflanze bedeutet. Viele Pflanzen sehen nach Hitzeperioden schlimmer aus, als sie wirklich sind. Andere wirken noch halbwegs grün, haben aber bereits ernsthafte Schäden an Trieben, Wurzeln oder Rinde. Entscheidend ist deshalb, genau hinzuschauen und die Symptome richtig einzuschätzen.
In diesem Artikel erfährst du, wie du Sonnenbrand an Pflanzen, Trockenstress und Hitzestress unterscheiden kannst. Du lernst, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen wirklich sinnvoll sind, wie du mit dem Rindentest prüfst, ob Gehölze noch leben, und wann du lieber abwartest, statt vorschnell zur Schere zu greifen. Außerdem schauen wir auf vorbeugende Maßnahmen wie durchdringendes Gießen, Mulchen, Bodenpflege und trockenheitsverträgliche Pflanzen.
Gerade im Rhein-Main-Gebiet wird dieses Thema immer wichtiger. Hessen erlebt immer häufiger Hitze, längere Trockenphasen und gleichzeitig auch Starkregenereignisse, die Wasser nicht automatisch gut im Boden speichern.
Sonnenbrand an Pflanzen: Was passiert da eigentlich?
Sonnenbrand an Pflanzen entsteht, wenn Blätter, Nadeln, Rinde oder Früchte plötzlich zu starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Das Gewebe wird dabei regelrecht geschädigt. Besonders häufig passiert das nach abrupten Wetterwechseln: Erst ist es bewölkt und mild, dann folgen plötzlich intensive Sonne, trockene Luft und hohe Temperaturen.
Auch Pflanzen, die eigentlich Sonne mögen, können Sonnenbrand bekommen. Das klingt erstmal widersprüchlich, ist aber logisch: Entscheidend ist nicht nur, ob eine Pflanze Sonne verträgt, sondern ob sie langsam daran gewöhnt wurde.
Typische Situationen sind:
Zimmerpflanzen werden im Frühjahr direkt in die volle Sonne gestellt.
Jungpflanzen kommen aus dem Gewächshaus ins Beet.
Kübelpflanzen werden nach dem Winterquartier sofort sonnig platziert.
Bäume oder Sträucher werden stark geschnitten, sodass bisher geschützte Blätter oder Rinde plötzlich Sonne abbekommen.
Nach dem Entfernen von Nachbarpflanzen liegt eine Fläche plötzlich frei.
Hitzewellen treffen auf ohnehin geschwächte Pflanzen.
Sonnenbrand entsteht also nicht einfach durch „zu wenig Wasser“. Eine Pflanze kann gut gegossen sein und trotzdem Sonnenbrand bekommen, wenn das Blattgewebe die Strahlung nicht verträgt.
Sonnenbrand, Trockenstress oder Hitzestress: So erkennst du den Unterschied
Viele Schäden sehen auf den ersten Blick ähnlich aus: braune Blätter, schlaffe Triebe, gelbe Nadeln oder vertrocknete Ränder. Trotzdem gibt es klare Hinweise, die dir bei der Einordnung helfen.
Sonnenbrand an Pflanzen erkennen
Sonnenbrand zeigt sich meist dort, wo die Sonne besonders stark auftrifft. Häufig betroffen sind Blattoberseiten, äußere Triebe, süd- oder westseitige Pflanzenteile und junge, noch weiche Blätter.
Typische Anzeichen sind:
helle, weißliche, gelbliche oder silbrig wirkende Flecken
später braune, trockene Stellen
scharf abgegrenzte Schäden auf der Sonnenseite
verbrannte Blattränder oder Blattspitzen
Schäden vor allem an plötzlich freigestellten Pflanzenteilen
bei Früchten helle, eingesunkene oder später braune Stellen
Wichtig: Sonnenbrand breitet sich nicht wie eine Pilzkrankheit von Blatt zu Blatt aus. Die betroffenen Stellen heilen nicht wieder grün aus, aber die Pflanze kann mit neuen gesunden Blättern weiterwachsen.
Trockenstress erkennen
Trockenstress entsteht, wenn die Pflanze über die Wurzeln nicht genug Wasser aufnehmen kann. Das kann an echtem Wassermangel liegen, aber auch an geschädigten Wurzeln, verdichtetem Boden oder einem Topf, der zu klein geworden ist.
Typische Anzeichen sind:
schlaffe, hängende Blätter
eingerollte Blätter
trockene, bräunliche Blattränder
Blattfall als Schutzreaktion
sehr trockener Boden im Wurzelbereich
Kübelpflanzen lösen sich vom Topfrand
junge Triebe welken zuerst
Bei Trockenstress sieht oft die ganze Pflanze erschöpft aus, nicht nur die Sonnenseite. Nach gründlichem Wässern kann sie sich je nach Schweregrad wieder aufrichten. Bleiben Blätter dagegen auch nach mehreren Tagen schlaff oder trocken, sind Teile der Pflanze möglicherweise bereits abgestorben.
Hitzestress erkennen
Hitzestress ist nicht immer dasselbe wie Trockenstress. Er entsteht, wenn Temperaturen so hoch sind, dass die Pflanze ihre Verdunstung und Stoffwechselprozesse nicht mehr gut regulieren kann. Das passiert besonders an heißen, windigen Tagen, auf versiegelten Flächen, an Hauswänden, in engen Innenhöfen oder bei dunklen Kübeln.
Typische Anzeichen sind:
Blätter hängen tagsüber schlaff, erholen sich abends aber wieder.
Pflanzen wirken trotz feuchtem Boden gestresst.
Blüten und Knospen fallen ab.
Blätter werden matt, stumpf oder rollen sich ein.
Kübelpflanzen überhitzen schnell.
junge Pflanzen stoppen plötzlich im Wachstum.
Wenn sich eine Pflanze abends wieder erholt, ist das oft ein Zeichen für vorübergehenden Hitzestress. Bleibt sie dauerhaft schlapp, kommt meist Trockenstress oder Wurzelschaden dazu.
Der Rindentest: Lebt die Pflanze noch?
Gerade bei Gehölzen, Sträuchern, Rosen, Thuja oder Koniferen ist das Laub manchmal nicht aussagekräftig genug. Braune Nadeln oder Blätter können bedeuten, dass ein Trieb abgestorben ist. Sie können aber auch eine Stressreaktion sein, während die Pflanze im Inneren noch lebt.
Hier hilft der Rindentest.
So gehst du vor:
Wähle einen dünnen Trieb oder Ast aus.
Kratze mit dem Fingernagel oder einem sauberen Messer vorsichtig ein kleines Stück der Rinde an.
Schau dir die Schicht direkt darunter an.
Wiederhole den Test an mehreren Stellen, von außen nach innen oder von oben nach unten.
Die Auswertung ist einfach:
Grünlich und leicht feucht: Der Trieb lebt noch.
Hell, aber nicht trocken: Der Trieb kann noch vital sein, weiter beobachten.
Braun, trocken und spröde: Dieser Bereich ist wahrscheinlich abgestorben.
Unter der Rinde trocken bis ins Holz: Der Ast ist meist nicht mehr zu retten.
Wichtig: Schneide nicht sofort alles weg, nur weil einzelne Spitzen braun sind. Teste dich langsam vor. Oft sind äußere Triebe geschädigt, während die Pflanze weiter innen noch lebt.
Bei Thuja und Koniferen solltest du besonders vorsichtig sein. Viele Koniferen treiben aus altem, braunem Holz kaum oder gar nicht wieder aus. Wenn du zu tief ins kahle Innere schneidest, bleibt die Stelle oft dauerhaft leer.
Erste Hilfe bei Sonnenbrand an Pflanzen
Wenn du Sonnenbrand an Pflanzen entdeckst, geht es zuerst darum, weiteren Stress zu reduzieren. Die verbrannten Stellen selbst werden nicht wieder grün. Aber du kannst verhindern, dass die Pflanze zusätzlich austrocknet oder weiter geschädigt wird.
1. Nicht sofort radikal schneiden
Verbrannte Blätter sehen unschön aus, aber sie können die Pflanze teilweise noch beschatten. Wenn du sofort alles entfernst, legst du darunterliegende Blätter und Triebe erneut frei.
Besser ist:
stark verbrannte, komplett trockene Blätter später entfernen
leicht geschädigte Blätter zunächst belassen
Rückschnitt erst nach der Hitzewelle
bei Gehölzen vorher Rindentest machen
2. Schattieren statt umstellen
Bei Kübelpflanzen kannst du den Standort anpassen. Stelle sie aber nicht plötzlich von voller Sonne in tiefen Schatten. Besser ist ein heller, geschützter Platz mit Morgen- oder Abendsonne.
Im Beet helfen vorübergehend:
Schattiernetze
helle Tücher
Sonnensegel
Reisig oder lockere Pflanzenstützen
größere Nachbarpflanzen als natürlicher Schutz
Jungpflanzen solltest du immer schrittweise abhärten. Das heißt: erst ein paar Stunden raus, dann langsam mehr Sonne.
3. Richtig gießen
Nach Sonnenbrand ist Wasser wichtig, aber bitte nicht hektisch und nicht oberflächlich. Gieße durchdringend, damit das Wasser wirklich in den Wurzelbereich gelangt.
Gut ist:
früh morgens gießen
direkt an den Boden, nicht über die Blätter
langsam wässern, damit nichts abläuft
bei Kübeln so lange gießen, bis Wasser unten austritt
Staunässe vermeiden
Nicht ideal ist:
mittags auf heiße Blätter gießen
jeden Tag nur ein bisschen wässern
ausgetrocknete Kübel einmal kurz überbrausen
Pflanzen nach Hitzeschäden sofort düngen
Dünger ist in dieser Situation keine Erste Hilfe. Eine gestresste Pflanze braucht zuerst Wasserhaushalt, Wurzelerholung und Schutz, nicht zusätzlichen Wachstumsdruck.
Vertrocknete Pflanzen retten: Was ist realistisch?
Ob du vertrocknete Pflanzen retten kannst, hängt stark von der Pflanzengruppe und vom Schadensausmaß ab.
Stauden
Viele Stauden sehen nach Hitze dramatisch aus, können aber aus dem Wurzelstock wieder austreiben. Wenn die Wurzel noch gesund ist, ist die Chance gut.
Hilfreich ist:
vertrocknete Blüten und komplett dürre Triebe entfernen
gründlich wässern
Boden mulchen
einige Wochen abwarten
bei Neuaustrieb vorsichtig pflegen
Stauden wie Fetthenne, Salbei, Katzenminze, Schafgarbe oder Storchschnabel kommen mit Trockenheit deutlich besser zurecht als durstige Prachtstauden.
Rasen
Rasen wird in Trockenphasen schnell gelb oder braun. Das sieht schlimm aus, bedeutet aber nicht immer, dass er tot ist. Viele Rasengräser gehen in eine Art Trockenruhe und treiben nach Regen oder Bewässerung wieder aus.
Kritisch wird es, wenn:
die Grasnarbe großflächig abgestorben ist
der Boden extrem verdichtet ist
Moos und Unkraut die Lücken übernehmen
der Rasen wochenlang stark belastet wurde
Dann helfen später Nachsaat, Bodenverbesserung und eine angepasste Bewässerung.
Kübelpflanzen
Kübelpflanzen sind besonders gefährdet, weil der Wurzelraum begrenzt ist. Ein Topf kann an heißen Tagen komplett durchhitzen und austrocknen.
Wenn der Ballen trocken ist, hilft:
Topf langsam wässern
bei stark ausgetrocknetem Ballen kurz tauchen
überschüssiges Wasser ablaufen lassen
Pflanze hell, aber geschützt stellen
erst nach Erholung düngen
Wenn Wurzeln vertrocknet oder verfault sind, wird es schwieriger. Dann kann ein Rückschnitt helfen, aber nur, wenn noch lebendige Triebe vorhanden sind.
Gehölze, Thuja und weitere Koniferen
Bei Gehölzen brauchst du Geduld. Viele Schäden zeigen sich verzögert. Ein Baum oder Strauch kann erst Wochen nach einer Hitzewelle braune Blätter oder Triebe bekommen.
Bei Thuja und anderen Koniferen ist die Einschätzung besonders wichtig. „Thuja braun“ oder „Koniferen braun“ kann durch Trockenheit, Hitze, Sonnenbrand, Wurzelschäden, Pilze oder Schädlinge entstehen. Braune Stellen im alten Holz schließen sich oft nicht mehr. Deshalb solltest du nicht einfach tief zurückschneiden, sondern erst prüfen:
Ist der Boden trocken oder verdichtet?
Gibt es Schäden an der Rinde?
Sind nur Außentriebe betroffen?
Gibt es noch grüne Partien im Inneren?
Zeigt der Rindentest Leben?
Ist der Schaden einseitig, zum Beispiel zur Sonne oder Straße hin?
Wenn große Teile einer Thujahecke braun sind, lohnt sich eine fachliche Einschätzung. Manchmal ist Stabilisierung möglich, manchmal ist eine Erneuerung ehrlicher als jahrelanges Hoffen.
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Durchdringend gießen: So kommt Wasser wirklich an
Viele Pflanzen leiden nicht, weil gar nicht gegossen wird, sondern weil falsch gegossen wird. Ein bisschen Wasser an der Oberfläche reicht oft nicht. Es verdunstet schnell oder bleibt in den oberen Zentimetern, während die tieferen Wurzeln trocken bleiben.
Durchdringend gießen bedeutet: langsam, gründlich und so, dass der Wurzelbereich wirklich erreicht wird.
Praktische Orientierung:
Beete lieber seltener, dafür intensiv wässern.
Kübel so gießen, dass der ganze Ballen feucht wird.
Bei Gehölzen langsam im Bereich der Baumscheibe wässern.
Gießränder helfen, damit Wasser nicht wegläuft.
Mulch hält die Feuchtigkeit länger im Boden.
Nach dem Gießen mit dem Finger oder Spaten prüfen, wie tief das Wasser eingedrungen ist.
Der beste Zeitpunkt ist meist früh morgens. Dann ist der Boden kühler, die Verdunstung geringer und die Pflanze startet besser versorgt in den Tag.
Abendliches Gießen ist besser als gar nicht gießen, kann aber bei empfindlichen Pflanzen Pilzkrankheiten fördern, wenn Blätter lange nass bleiben.
Vorbeugen: Boden, Mulch und Pflanzenwahl
Der beste Schutz vor Hitzeschäden ist ein Garten, der mit Trockenphasen umgehen kann. Dabei geht es nicht darum, alles auszutauschen. Oft helfen schon kleine Veränderungen.
Boden verbessern
Ein humusreicher, gut strukturierter Boden speichert Wasser besser und gibt es langsamer an die Pflanzen ab. Sandige Böden trocknen schneller aus, schwere Lehmböden können Wasser zwar halten, sind aber bei Verdichtung problematisch.
Hilfreich sind:
Kompost einarbeiten
Bodenleben fördern
nicht unnötig tief umgraben
Verdichtungen lockern
Beete nicht dauerhaft offen liegen lassen
organisches Material regelmäßig ergänzen
Mulchen
Mulch schützt den Boden vor direkter Sonne, reduziert Verdunstung und hält die Temperatur gleichmäßiger.
Geeignete Materialien sind zum Beispiel:
Rindenmulch
Holzhäcksel
Rasenschnitt, leicht angetrocknet
Laubkompost
Stroh
mineralischer Mulch bei trockenheitsliebenden Pflanzen
Wichtig: Mulch nicht direkt an Stämme oder empfindliche Stängel schieben. Dort kann sonst Feuchtigkeit stehen bleiben und Fäulnis fördern.
Trockenheitsverträgliche Pflanzen wählen
Wenn du neu pflanzt oder Beete umgestaltest, lohnt sich der Blick auf hitzeresistente und trockenheitsverträgliche Pflanzen. Sie brauchen in der Anwachsphase trotzdem Wasser, kommen später aber deutlich besser zurecht.
Geeignet für sonnige, trockene Standorte sind zum Beispiel:
Lavendel
Salbei
Thymian
Katzenminze
Schafgarbe
Fetthenne
Blauraute
Sonnenhut
Ziergräser
Feldahorn
Kornelkirsche
Felsenbirne
Für halbschattige oder frischere Standorte kommen andere Pflanzen infrage. Wichtig ist immer: Die Pflanze muss zum Standort passen, nicht nur zum Wunschbild.
Rhein-Main-Gebiet: Warum Hitze und Trockenheit hier besonders spürbar sind
Im Rhein-Main-Gebiet treffen mehrere Faktoren zusammen: warme Sommer, städtische Wärmeinseln, versiegelte Flächen, unterschiedliche Bodenarten und regional sehr verschiedene Niederschläge. Ein Garten in Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt oder im Taunusrand kann deshalb völlig andere Bedingungen haben als ein Garten nur wenige Kilometer weiter.
Das HLNUG weist darauf hin, dass Hitzewellen, längere Trockenphasen und intensive Starkregenereignisse bereits deutliche Herausforderungen für Stadtgrün und Grünflächen darstellen. Gerade in Siedlungsbereichen speichern versiegelte Flächen Wärme, während Starkregen oft oberflächlich abläuft, statt tief in den Boden einzusickern. (hlnug.de)
Für deinen Garten bedeutet das:
Prüfe deinen Boden, statt nur nach Wetterbericht zu gießen.
Beobachte besonders süd- und westseitige Beete.
Schütze Kübel auf Terrassen vor Überhitzung.
Nutze Mulch und Bodendecker, um offene Erde zu vermeiden.
Plane bei Neupflanzungen trockenheitsverträglicher.
Verwende Regenwasser, wenn möglich.
Beachte kommunale Vorgaben zur Wasserentnahme.
Bei Trockenheit können Kommunen oder Landkreise Wasserentnahmen aus Bächen, Flüssen oder Seen einschränken oder verbieten. In Hessen gab es 2026 beispielsweise in mehreren Landkreisen des Regierungsbezirks Kassel Einschränkungen für Flüsse wie Eder, Fulda und Weser. Solche Regelungen sind regional unterschiedlich und können sich kurzfristig ändern. (DIE WELT)
Wenn du unsicher bist, schau auf die Seiten deiner Stadt, deines Landkreises oder der zuständigen Wasserbehörde. Besonders bei Brunnen, Bachwasser oder größerer Gartenbewässerung ist das sinnvoll.
Wann du lieber abwartest und wann du handeln solltest
Nach einer Hitzewelle ist Geduld oft die beste Maßnahme. Viele Pflanzen werfen Blätter ab, um sich zu schützen. Andere sehen kurzfristig schlapp aus, treiben aber später wieder durch.
Du kannst zunächst abwarten, wenn:
der Rindentest noch grün ist
nur einzelne Blätter verbrannt sind
die Pflanze abends wieder stabiler wirkt
neue Knospen sichtbar sind
der Boden nach gründlichem Gießen wieder Feuchtigkeit hält
Du solltest aktiver werden, wenn:
Triebe komplett trocken und spröde sind
der Rindentest braun bleibt
die Pflanze trotz Wasser weiter welkt
Wurzeln faulig riechen
sich Rinde löst
Thuja oder Koniferen großflächig braun werden
Jungpflanzen komplett zusammensacken
Kübelpflanzen im Topf keinen intakten Wurzelballen mehr haben
Im Zweifel entferne erst eindeutig abgestorbene Teile und gib der Pflanze Zeit. Ein zu früher Radikalschnitt kann mehr schaden als helfen.
Häufige Fehler bei Hitzeschäden
Zu schnell zurückschneiden
Das ist einer der häufigsten Fehler. Verbranntes Laub sieht unschön aus, schützt aber manchmal noch darunterliegende Bereiche. Schneide erst, wenn klar ist, was wirklich abgestorben ist.
Zu oberflächlich gießen
Tägliches kurzes Gießen macht Pflanzen oft abhängig von Wasser an der Oberfläche. Besser ist selteneres, gründliches Wässern, damit Wurzeln tiefer wachsen.
In der Mittagshitze gießen
Bei großer Hitze verdunstet viel Wasser, und nasse Blätter können zusätzlich gestresst werden. Gieße lieber morgens direkt an den Boden.
Sofort düngen
Dünger ist kein Reparaturmittel gegen Sonnenbrand oder Trockenstress. Warte, bis die Pflanze sich stabilisiert hat.
Den Standort ignorieren
Wenn dieselbe Pflanze jedes Jahr verbrennt oder vertrocknet, passt sie vielleicht nicht zum Standort. Dann ist eine trockenheitsverträglichere Alternative langfristig sinnvoller.
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Fazit: Erst prüfen, dann retten
Sonnenbrand an Pflanzen, Trockenstress und Hitzestress sind kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, genauer hinzuschauen. Wenn du die Symptome richtig deutest, kannst du viel gezielter helfen und vermeidest hektische Maßnahmen, die deiner Pflanze eher schaden.
Prüfe zuerst, was wirklich passiert ist: Sind nur einzelne Blätter verbrannt? Ist der Boden trocken? Erholt sich die Pflanze abends? Zeigt der Rindentest noch grünes Gewebe? Danach kannst du sinnvoll entscheiden, ob du gießt, schattierst, abwartest oder abgestorbene Teile entfernst.
Langfristig schützt du deinen Garten am besten durch guten Boden, Mulch, durchdringendes Gießen und Pflanzen, die zu deinem Standort passen. Gerade im Rhein-Main-Gebiet lohnt es sich, Hitze und Trockenheit bei der Gartengestaltung mitzudenken. So bleibt dein Garten auch in schwierigen Sommern lebendig, widerstandsfähig und schön.
Ja, Pflanzen können Sonnenbrand bekommen. Typisch sind helle, später braune Flecken auf Blättern, Früchten oder Rinde, meist auf der sonnenzugewandten Seite.
Sonnenbrand entsteht durch zu starke Sonneneinstrahlung auf empfindliches Gewebe. Trockenstress entsteht, wenn die Pflanze nicht genug Wasser aufnehmen kann. Beides kann gleichzeitig auftreten, ist aber nicht dasselbe.
Manchmal ja. Entscheidend ist, ob Wurzeln, Triebe oder Stamm noch leben. Bei Gehölzen hilft der Rindentest. Stauden können oft aus dem Wurzelstock wieder austreiben.
Kratze vorsichtig ein kleines Stück Rinde an. Ist die Schicht darunter grün und leicht feucht, lebt der Trieb noch. Ist sie braun, trocken und spröde, ist dieser Bereich wahrscheinlich abgestorben.
Thuja kann durch Trockenheit, Sonnenbrand, Hitzestress, Wurzelschäden, Pilzkrankheiten oder Schädlinge braun werden. Wichtig ist, nicht vorschnell tief ins alte Holz zu schneiden, weil Thuja dort schlecht wieder austreibt.
Nicht sofort. Entferne komplett vertrocknete Blätter erst, wenn keine starke Hitze mehr droht. Leicht geschädigte Blätter können die Pflanze noch beschatten.
Am besten früh morgens und direkt an den Wurzelbereich. So kann Wasser tief eindringen, ohne dass zu viel verdunstet.
Lavendel, Salbei, Thymian, Katzenminze, Schafgarbe, Fetthenne, Blauraute, Sonnenhut, viele Ziergräser, Kornelkirsche und Feldahorn kommen mit trockenen Phasen vergleichsweise gut zurecht, sobald sie eingewachsen sind.